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21. Juli 2023, 14:28 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Hyaluronsäure-Injektionen sind eine gängige und beliebte Methode in der Beauty-Branche, um Lippen aufzufüllen oder kleine Fältchen aufzupolstern. Für eine Behandlung wird ein geschulter Arzt oder Heilpraktiker aufgesucht und sie kostet meist mehrere hundert Euro. Eine Behandlung mit einem Hyaluron-Pen verspricht dagegen eine schmerzfreie und kostengünstige Methode, die beim Kosmetiker gebucht werden kann. Ebenfalls sind etliche Hyaluron-Pen-Kits für den Heimgebrauch im Umlauf. Wie gefährlich ist diese Methode aber wirklich?
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Volle Lippen und ein ebenmäßiger und glatter Teint ohne Fältchen – danach streben nach wie vor viele Frauen. Um Lippen und Falten aufzufüllen, wird Hyaluronsäure eingesetzt, die an den gewünschten Stellen injiziert wird. In Deutschland ist die Behandlung von Kunden lediglich Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten. Die Kosten liegen bei mehreren hundert Euro. Je nach eigenem Schmerzempfinden wird die Behandlung mit der Spritze als unterschiedlich schmerzvoll wahrgenommen. Eine Behandlung mit dem Hyaluron-Pen ist nicht nur deutlich kostengünstiger, sondern verspricht bei einem ähnlichen Ergebnis auch nahezu schmerzfrei zu sein. Klingt durchaus verlockend, aber welche Tücken und Gefahren birgt diese non-invasive Methode?
Was ist ein Hyaluron-Pen?
Bei einem Hyaluron-Pen handelt es sich, wie der Name bereits verrät, um einen Stift, der mit Hyaluronsäure befüllt und dann punktuell auf der Haut angewendet wird. Dafür wird die Säure mittels einer Ampulle in die Kammer des Stiftes gefüllt. Nun den Stift auf die gewünschte Stelle aufsetzen und den Luftdruck auslösen. Mit bis zu 800 km/h schießt die Hyaluronsäure in mittlere bis tiefere Hautschichten, dringt aber nicht so tief ein, wie beispielsweise bei einer Hyaluron-Injektion. Einer der Gründe, warum die Behandlung mit dem Pen als schmerzfrei beworben wird.
Wer darf die Behandlung durchführen?
Anders als bei einer Hyaluron-Spritze wird in Deutschland keine bestimmte Lizenz und Ausbildung (Ärzte und Heilpraktiker) benötigt, um eine Hyaluron-Pen-Behandlung anzubieten. An Kosmetik-Akademien werden eintägige Kurse angeboten, die sich an Kosmetikerinnen, Quereinsteiger und Privatpersonen richtet. Vorkenntnisse sind laut diverser Ausbildungsstätten nicht notwendig.
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Risiken und mögliche Komplikationen
Bei der Verwendung eines Hyaluron-Pens kommen zwar keine Nadeln zum Einsatz, dennoch entstehen bei der Anwendung minimale Verletzungen auf der Hautoberfläche. Werden hygienische Vorschriften nicht eingehalten, kann es zu Entzündungen kommen. Außerdem erklärt Dr. Afschin Fatemi, Facharzt für Dermatologie: „Zu den möglichen Komplikationen gehören Blutergüsse, Schwellungen, Infektionen und allergische Reaktionen. Da der Pen mit hohem Druck arbeitet, besteht auch das Risiko von Verletzungen der Haut oder des umliegenden Gewebes, insbesondere wenn die Behandlung nicht von einer qualifizierten Person durchgeführt wird. Darüber hinaus ist die Qualität des verwendeten Hyalurons entscheidend. Bei minderwertigem oder unsachgemäß aufbereitetem Hyaluron kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Gefäßverschlüssen oder Nekrosen kommen.“
Hyaluron-Pen unterliegt weniger strengen Kontrollen
Besonders kritisch empfindet der Dermatologe, dass der Pen als „nicht-medizinisches Gerät eingestuft“ und demnach „nicht von der gleichen Regulierung und Aufsicht wie medizinische Geräte erfasst wird“. Und weiter: „Dadurch gibt es weniger strenge Vorschriften und Qualitätskontrollen, was zu Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Wirksamkeit führt.“
Sollte man dennoch eine Hyaluron-Pen-Behandlung in Betracht ziehen, rät der Arzt unbedingt geschultes Personal aufzusuchen. „Es ist wichtig, dass die behandelnde Person über ein fundiertes Verständnis der Hautanatomie, der Injektionstechniken und der Hygienepraktiken verfügt. Der Umgang mit Hyaluronsäure erfordert spezifisches Fachwissen, um mögliche Komplikationen zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Ärzte, insbesondere Dermatologen und plastische Chirurgen, sind aufgrund ihrer medizinischen Ausbildung und Erfahrung oft besser qualifiziert, diese Art von Behandlung durchzuführen.“
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Von Kits aus dem Internet rät er dringlich ab
Den Hyaluron-Pen gibt es auch zum Bestellen für den Heimgebrauch in diversen Onlineshops. Ein vollumfängliches Kit, inklusive Pen und Ampullen, ist bereits für rund 50 Euro erhältlich. Für jeden frei zugänglich! Vorkenntnisse über Anatomie der Haut, Wirkstoffe- und Inhaltsstoffe, Hygienevorschriften oder Materialkunde scheinen nicht vonnöten zu sein, um sich (oder andere) mit dem Pen zu behandeln. Diverse Schritt-für-Schritt-Anleitungen gibt es auf YouTube.
Von solchen Selbstversuchen rät Dr. Fatemi dringlich ab! Er warnt: „Die Selbstbehandlung mit einem Hyaluron-Pen ohne entsprechende Schulung und medizinische Kenntnisse kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Der unsachgemäße Gebrauch des Pens kann zu Infektionen, Gefäßverletzungen oder sogar dauerhaften Schäden führen. Die Injektion von Hyaluronsäure ist eine medizinische Maßnahme und sollte daher nur von qualifiziertem Fachpersonal mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung durchgeführt werden.“