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Frauenärztin und Sexologin erklären

So verändert sich die Libido in den Wechseljahren

Die Libido der Frau kann sich in den Wechseljahren verändern
Die Libido der Frau kann sich in den Wechseljahren verändern Foto: Getty Images / Maria Levkina

2. April 2025, 12:43 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Im Laufe der Wechseljahre können eine Vielzahl an Symptomen den Alltag von Frauen belasten – dazu zählt auch der Libido-Verlust. Hinzu kommen Beschwerden wie vaginale Trockenheit, körperliche Veränderungen durch Gewichtszunahmen, Hitzewallungen oder Schweißattacken. Doch diese Entwicklung muss nicht zwangsläufig sein.

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Was am meisten hilft, um auch in den Wechseljahren die eigene Libido vielleicht sogar ganz neu zu entdecken, erklären Dr. med. Daniela Bach, Expertin für Frauengesundheit und Dr. med. Regina Widmer, Frauenärztin und Sexologin im Gespräch mit STYLEBOOK.

Hormone und ihre Rolle für die Libido in den Wechseljahren

Allein Hormone für die fehlende Lust auf Sex verantwortlich zu machen, ist eindimensional gedacht – egal in welcher Lebenslage sich Frauen gerade befinden. Natürlich haben Frauen durch den Anstieg von Östrogen (rund um den Eisprung) mehr Lust auf Geschlechtsverkehr, doch es spielen noch viel mehr und vor allem wichtigere Faktoren eine Rolle für die Libido. Libido-Verlust in den Wechseljahren ist laut Dr. Bach „ein multifaktorielles Geschehen.“

„Das heißt, wenn nur an einer Stellschraube gedreht wird, also mit Hormongabe X oder Supplement Y, wird man zu kurz greifen. Denn die Libido der Frau ist vielschichtig“, erklärt die Gynäkologin. Wichtig ist immer die individuelle Lebenssituation der Frauen. Etwa wie hoch ist die Stressbelastung durch pubertierende Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Konflikte mit Partner oder Partnerin sowie Druck im Job. „Wenn eine Frau massiv unter Strom steht, weil sie in der Rushhour ihres Lebens steht, dann macht sich das unter Umständen auch an einer verminderten Libido bemerkbar – was nicht zwingend nur mit ihrem Hormonstatus zu tun haben muss“, betont die Expertin.

Hormone spielen nur eine untergeordnete Rolle, wenn es um Libido-Verlust in den Wechseljahren geht

Auch für Dr. Widmer spielen Hormone eine untergeordnete, vielleicht sogar gar keine Rolle, wenn es um einen möglichen Libido-Verlust in den Wechseljahren geht. „Eine Östrogen-Progesteron-Therapie innerlich oder über die Haut wirkt etwa bei Wallungen und ganz vielen Wechseljahrsbeschwerden, nicht aber für die Libido.“ Viel wichtiger als auf den Einfluss von Hormonen zu pochen, ist die „Entwicklung und Pflege einer vielfältigen Kultur rund um unser Sexualleben“.

Die Sexologin plädiert: „Machen wir uns nicht abhängig von unseren Hormonen.“ Allenfalls kann Testosteron die sexuelle Lust steigern. Dies wird laut Dr. Widmer zum Teil auch therapeutisch verschrieben, doch sie meint: „Die Dosierung von Testosteron ist mit möglichen Nebenwirkungen heikel. Besser ist es, noch genauer herauszufinden, was einen in eine erotische Stimmung bringt.“

Sex, Sexualität und Sexualleben neu entdecken

Um wieder Lust zu spüren und lustvolle Momente zu erleben, empfiehlt Dr. Widmer im ersten Schritt die Definition von Sex für sich selbst zu lockern. Sex bedeutet nicht ausschließlich Geschlechtsverkehr, sondern „alles was sexuell erregend und angenehm ist“. Dabei sind alle Formen von sexuellem Austausch gleichgestellt. Denn Geschlechtsverkehr ist nur eine einzige Begegnungsform und gleichberechtigt zu anderen Ausdrucksformen von Sex, wie „intensives Küssen oder innig-eng umschlungen Zusammenliegen oder auch eine stille Form des Liebens, wo die Geschlechtsteile beider Partner oder Partnerinnen sich aneinander schmiegen, Petting, Zärtlichkeiten mit Finger, Zunge, Spielzeug, penetrierend oder eben nicht penetrierend“, zählt die Expertin auf.

Ohne starre Regeln, was Sex ist oder sein sollte, wird oft auch die Libido wieder geweckt. „Viele Frauen, die schon vor den Wechseljahren mehr dem Partner oder Partnerin als sich selbst zuliebe Geschlechtsverkehr hatten, verlieren eher die Lust auf diese Form von Sex im Gegensatz zu Frauen, die Geschlechtsverkehr immer liebten“, fügt Dr. Widmer hinzu.

Libido-Steigerung in den Wechseljahren beginnt im Kopf 

Die Perimenopause sollte von Frauen, die unter mangelnder Lust leiden, als Chance gesehen werden. Womöglich ist jetzt der Zeitpunkt, „herauszufinden, was einen in erotische Stimmung bringt“, findet Dr. Widmer. Dafür sollte man sich bewusst Zeit nehmen, vielleicht „mal etwas ganz Neues ausprobieren, weg von Schema F, wieder eine Date-Night vereinbaren, immer in Rücksprache mit Partner oder Partnerin“, stimmt auch Dr. Bach zu. Diese Neufindung kann vor allem auch Frauen in langjährigen Partnerschaften helfen, Sexualität und ihre Libido in den Wechseljahren neu zu entdecken.

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Denn auch das ist häufig die Lebensrealität in der Perimenopause, dass Gewohnheit anstelle von Lust und Leidenschaft tritt und erotische Anregungen für Abwechslung sorgen können. Als weiterer Tipp, wenn es um die Wiedergewinnung von Lust explizit geht, nennt Dr. Bach Mittel aus Extrakten der Maca-Pflanze. „Da gibt es eine gewisse Datenlage dazu“, erklärt sie. „Doch die Erfahrung hat gezeigt, das potenteste Mittel zur Libido-Steigerung beginnt tatsächlich in unserem Kopf.“ 

Auch interessant: Welche Wirkung hat Maca auf die Gesundheit?

Wünsche äußern: Kommunikation als A und O in der Beziehung 

Neben ausreichend Zeit für entspannte und lustvolle Momente, ist Kommunikation ein wichtiges Instrument in Beziehungen und der Schlüssel für ein erfülltes Sexleben. Frauen müssen offen und klar über ihre Wünsche in erster Linie mit dem Partner oder der Partnerin sprechen (und auch darüber, was nicht gefällt). Aber auch der Austausch unter Freundinnen ist bedeutsam. Gleiches gilt für Männer in der Situation.

„Auch Männer müssen diese Kommunikation führen, sich auf Wünsche einlassen und offen sein, unter anderem das Vorspiel auszudehnen“, merkt Dr. Bach an. Männer können sich auf den gleichen Weg machen, „sich mit ihrem sich verändernden Körper auseinandersetzen, den Begriff der Männlichkeit neu definieren, sich mit Männern austauschen, den Stellenwert von Geschlechtsverkehr beleuchten und sich für neue körperlich-seelisch-geistige Erfahrungen etwa in einem Paarkurs, Lustkurs oder Tantrakurs öffnen“, zählt auch Dr. Widmer die Möglichkeiten auf.

Vaginale Trockenheit 

Fest steht jedoch auch: Im Laufe der Wechseljahre verändert sich durch den zunehmenden Östrogenmangel das Gewebe in Vagina und Vulva. Bei der sogenannten vulvovaginalen Atrophie nimmt die Hautdicke und Elastizität im Bereich des Vaginalepithels (oberste Zellschicht der Vagina) ab. Die Haut im Intimbereich wird also „dünner, trockener, viel empfindlicher, kann einreißen und das kann wiederum Juckreiz, ein Brennen, ein Unwohlsein verursachen“, beschreibt Dr. Bach. „Auch die örtliche Immunabwehr ist gestört. Das heißt, die Infektanfälligkeit wird aufgrund der gestörten Döderleinflora erhöht: Es kann einfacher zu Vaginalinfekten, aber auch zu leichten oder wiederkehrenden Blasenentzündungen kommen.“ 

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Schmerzen beim Geschlechtsverkehr werden vor allem durch die Hautveränderungen am Vorhof der Vulva sowie durch die Verengung am dünnen Ring des Vaginaleinganges ausgelöst, fügt Dr. Widmer hinzu: „Eine trockene Vagina selbst schmerzt nicht. Es geht also nicht darum, die Vagina zu befeuchten, sondern den Vaginaleingang und den Vorhof zu fetten oder zu ölen.“ 

Intimpflege und Gleitmittel  

Genauso wie im Alter die Haut mehr Pflege benötigt, gilt das auch für die Schleimhäute in der Intimregion. Sie werden mit der Zeit dünner, trockener und empfindlicher und das zeigt sich vor allem als begleitendes Symptom in den Wechseljahren und als störender Faktor beim Geschlechtsverkehr. Vor allem bei Lust auf penetrierende Sexualpraktiken empfiehlt Dr. Widmer eine regelmäßige Intimpflege mit einem Öl oder einer Creme auf pflanzlicher Basis.

Es gilt zu beachten, Pflegecremes für den Intimbereich mit einem sauren ph-Wert zu nutzen, damit die Immunabwehr nicht gestört wird. Intimdeos oder Vaginalspülungen sollten deshalb auch lieber weggelassen und zum Waschen am allerbesten klares Wasser ohne Seife genutzt werden, betont Dr. Bach. „Wer nicht auf eine Waschlotion verzichten möchte, auch da bitte eine Intimwaschlösung nutzen, die explizit mit dem pH-Wert für diesen Bereich abgestimmt ist.“  

Wenn trotz ausreichender Pflege der weibliche Intimbereich mehr Unterstützung benötigt, kann auch der Einsatz von Gleitmitteln beim Sex helfen. Diese gibt es auf unterschiedlicher Basis als Gleitgel mit etwa Hyaluronsäure oder Aloe sowie als Gleitöl auf pflanzlicher Basis. Wichtig: ohne Mineralöle.

Östrogen für die Vagina 

Laut Dr. Widmer reicht die regelmäßige Intimpflege oft schon aus, um Sexualität auch in der Perimenopause auszuleben. Eventuell kann aber auch eine lokale Östrogengabe bei Atrophie helfen. Dann wird in Form von Estriol (ein sehr schwach wirksames Östrogen) ausschließlich gegen den Östrogenmangel im Vaginalepithel therapiert.

„Das heißt aber nicht, dass Estriol für eine gesteigerte Libido eingesetzt werden kann. Aber wenn Sex wehtut, weil die Haut rissig, empfindlich und trocken ist, dann mag man auch gar nicht an Sex denken. Doch wenn das Vaginalepithel gut durchblutet ist, eine vernünftige Abwehrlage hat, elastisch ist, nicht einreißt und man einfach keine Schmerzen hat beim Verkehr, dann hat man natürlich auch wieder viel mehr Lust“, führt Dr. Bach aus.

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Verhütungsfragen und neue Freiheit

Die gute Nachricht in all diesen Dingen ist, dass weder die Orgasmusfähigkeit, noch die Erregung selbst, noch die Lubrikation, also die Befeuchtung bei sexueller Erregung vom Östrogenmangel in der Perimenopause betroffen sind, betont die Expertin. All das funktioniert ganz hervorragend weiter. Vorausgesetzt die Frau ist erregt, kann sich auf die Situation einlassen, hat Lust auf Sex und Appetit auf ihren Partner oder Partnerin.

Vor allem in der Postmenopause können Frauen, wenn sie sich keine Sorgen mehr um ungeplante Schwangerschaften oder um Verhütungsfragen machen müssen, Sexualität neu entdecken. Dann kann das durchaus auch einen Antrieb für die Libido bedeuten, wenn Frauen befreiter ihre eigene Erfüllung in den Fokus stellen und Neues ausprobieren.

Themen Mental Health Sexualität Wechseljahre

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