
31. März 2025, 18:06 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Lise Meitner, Rosalind Franklin, Jocelyn Bell Burnell – drei Frauen, drei bahnbrechende wissenschaftliche Leistungen. Doch wer wurde für ihre Entdeckungen geehrt? Ihre männlichen Kollegen. Ein wiederkehrendes Muster, das so oft vorkommt, dass es einen eigenen Namen hat: Matilda-Effekt. STYLEBOOK erklärt das Phänomen, das leider bis heute anhält …
Doch was genau versteht man darunter? Kurz gesagt: Der Matilda-Effekt beschreibt das systematische Übergehen und Vergessen von Wissenschaftlerinnen. Ihre Errungenschaften werden ignoriert, ihren männlichen Kollegen zugeschrieben oder erst Jahrzehnte später gewürdigt. Benannt wurde das Phänomen nach der US-amerikanischen Frauenrechtlerin Matilda Joslyn Gage, die bereits 1870 in ihrem Essay „Woman as Inventor“ kritisierte, dass Frauen als weniger erfinderisch und talentiert dargestellt wurden. Die Historikerin Margaret Rossiter griff Gages Ideen auf und prägte 1993 den Begriff „Matilda-Effekt“, um auf die jahrhundertelange Unsichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft hinzuweisen.
Übersicht
Die „unsichtbare“ Arbeit der Wissenschaftlerinnen
Ein berühmtes Beispiel für den Matilda-Effekt ist Lise Meitner. Die österreichische Physikerin war maßgeblich an der Entdeckung der Kernspaltung beteiligt. Ihr langjähriger Forschungspartner Otto Hahn erhielt dafür 1945 den Nobelpreis – und sie ging leer aus. Dasselbe Schicksal ereilte auch Rosalind Franklin, deren Röntgenbilder für die Entdeckung der DNA-Struktur entscheidend waren. Doch statt ihr erhielten James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins 1962 den Nobelpreis.
Der Grund? Frauen in der Wissenschaft wurden lange nicht ernst genommen. Sie arbeiteten als Assistentinnen, standen im Schatten männlicher Kollegen oder durften gar nicht erst publizieren. Dass ihre Namen aus Studien und Forschungsberichten verschwanden, war oft kein Zufall, sondern gesellschaftlicher Standard.
Warum ignoriert man die Leistungen von Wissenschaftlerinnen?
Neben offensichtlicher Diskriminierung in einem patriarchalen System spielen jahrhundertealte Rollenbilder eine große Rolle. Wissenschaft galt lange als männliche Domäne – und Frauen mussten sich ihren Platz oft erkämpfen. Viele arbeiteten mit ihren Ehemännern zusammen. Doch wenn Preise verliehen wurden, standen meist nur die Männer auf der Bühne.
Ein weiterer Faktor ist die sogenannte „Gender Citation Gap“. Wissenschaftlerinnen werden auch heute noch seltener in wissenschaftlichen Arbeiten zitiert als ihre männlichen Kollegen. Studien zeigen, dass selbst Forscherinnen häufiger Männer als andere Frauen zitieren. Ein unbewusster Mechanismus, der die unsichtbare Barriere für Frauen in der Wissenschaft verstärkt.

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Der Weg zur Anerkennung – was muss sich ändern?
Um den Matilda-Effekt zu bekämpfen, benötigt es ein Umdenken – in der Wissenschaft, Gesellschaft und Bildung. Wir müssen Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit sichtbar machen, während wir die Leistungen von Frauen heute bewusst würdigen.
Dazu gehört:
- Frühzeitige Förderung: Mädchen sollten schon in der Schule mit Vorbildern aus der Wissenschaft in Kontakt kommen.
- Bewusstes Zitieren: Forschende sollten darauf achten, auch wissenschaftliche Arbeiten von Frauen zu referenzieren.
- Institutionelle Gleichstellung: Hochschulen und Forschungsinstitute müssen gezielt Frauen in führende Positionen bringen.
Der Matilda-Effekt zeigt, dass es nicht nur um ein paar vergessene Namen geht. Es geht darum, wie Geschichte geschrieben wird – und wer das Privileg hat, darin vorzukommen. Es wird Zeit, dass Wissenschaftlerinnen den Platz bekommen, den sie verdienen. Retrospektiv und für die kommende Gesellschaft.