1. August 2023, 7:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Trockene Haut kann viele Ursachen haben. In Drogerien und Apotheken findet man mindestens genauso viele Cremes, die dagegen helfen sollen. Viele vertrauen dabei auf Feuchtigkeitscremes mit dem Inhaltsstoff Urea. Doch was ist das eigentlich genau? STYLEBOOK klärt auf.
Wer unter rissigen oder spröden Händen leidet, bekommt häufig den Tipp, auf eine Creme mit Urea zurückzugreifen. Bei sehr trockener Haut soll der Inhaltsstoff alles wieder glatt und geschmeidig machen. STYLEBOOK hat mit dem Dermatologen Dr. Timm Golüke aus München über den Wirkstoff gesprochen.
Übersicht
Was ist Urea?
Urea ist die englische und lateinische Bezeichnung für Harnstoff und es ist der Begriff, der auf der Liste der Inhaltsstoffe eines Kosmetikproduktes steht, der sogenannten INCI-Liste („International Nomenclature Cosmetic Ingredients“). Harnstoff ist ein natürlicher Bestandteil der Haut. Er ist als Feuchtigkeitsspender sowohl in der konventionellen Kosmetik als auch in der Naturkosmetik sehr beliebt. Im menschlichen Körper ist Harnstoff ein Endprodukt des Eiweißstoffwechsels und wird im sogenannten Harnstoffzyklus produziert. Er wird unter anderem über den Urin ausgeschieden.
Aus Reinheitsgründen stellt man den in kosmetischen Produkten eingesetzten Harnstoff nicht aus tierischen oder pflanzlichen Quellen her, sondern in Verbindung mit hohen Temperaturen und Druck aus Kohlendioxid und Ammoniak.
Wie wird Urea angewendet?
Urea wird in der Hautpflege vor allem als Bestandteil von Feuchtigkeitscremes und Lotions angewendet. Für eine Wirksamkeit des Inhaltsstoffes sollte die Creme mindestens 10 Prozent Urea beinhalten. Ab dieser Menge wirkt der Inhaltsstoff nämlich keratolytisch, weiß Dermatologe Dr. Timm Golüke. „Das heißt, es kann dadurch abgestorbene Hautschuppen oder auch Hornhaut ablösen.“ Je höher die Konzentration, desto besser. Bei besonders trockener Haut können Sie auch zu ureahaltigen Salben greifen – diese sind höher konzentriert und haben dadurch eine intensivere Wirkung.
Zugeschriebene Wirkung von Urea
Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit
Urea ist in der Lage, Wasser zu binden. Das ist auch der Grund dafür, dass es vor allem in Pflegeprodukten wie Cremes für trockene Haut enthalten ist. Abhängig von der Konzentration in einem Produkt weist der Inhaltsstoff auch antimikrobielle Eigenschaften auf.
Urea wirkt hautberuhigend
Urea wirkt zudem sehr beruhigend auf die Haut. Es hilft bei juckenden und gereizten Hautstellen und wird deshalb auch häufig bei Krankheiten wie Neurodermitis oder Ekzemen angewendet. Das Gefühl von trockener, spannender Haut lässt sich somit lindern.
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Mögliche Risiken des Wirkstoffs
Grundsätzlich ist Urea ein hilfreicher Wirkstoff zur Behandlung von trockener Haut. Dennoch können hohe Konzentrationen manchmal zu Rötungen oder Schuppung führen. Auch wenn der Wirkstoff häufig in Cremes für Neurodermitis enthalten ist, sollten Menschen, die von Hautkrankheiten betroffen sind, hierbei besonders aufpassen und vor der Anwendung entsprechender Hautpflegeprodukte stets zuvor Ihren Hautarzt konsultieren.
Experteneinschätzung
Dr. Golüke sieht sie Anwendung von Urea sehr positiv. „Urea ist einer der sogenannten Goldstandardinhaltsstoffe. Es ist sehr gut in der Anwendung auf trockener Haut “. Dennoch meint er auch: „Leute mit empfindlicher Haut sollten bei Urea vorsichtig sein“. Der Harnstoff könne sonst brennen und die Haut zusätzlich reizen.
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Das sagt der Verbraucherschutz
Für die Anwendung von Urea gibt es vom Verbraucherschutz keine festgelegte Höchstkonzentration, die ein Pflegeprodukt beinhalten sollte. Die meisten Urea-Cremes enthalten jedoch einen Anteil von etwa 5 bis 10 %. In dieser Dosis kann der Wirkstoff größtenteils bedenkenlos angewendet werden. Bei höheren Konzentrationen lohnt es sich, vorher mit einem Spezialisten zu sprechen.
Quellen:
- mit fachlicher Beratung von Dr. Timm Golüke, Dermatologe aus München
- Mit Material von dpa